2. Göttinger Health Slam

2. Göttinger Health Slam

Mit der Erfahrung des 1. Göttinger Health Slam gehen wir ruhiger zum Veranstaltungsort. Dort angekommen, erfahren wir, dass es 50 Reservierungen gibt. Mit unseren sechs Reservierungen, haben wir die Zuschauerzahl vom ersten Slam erreicht. Schließlich besuchen über 80 Interessierte den Health Slam. Das Publikum ist wieder so gemischt, wie beim ersten Mal. Groß & Klein; Jung & Alt; Männer & Frauen; MedizinerInnen; Pflegende; TherapeutInnen; SozialarbeiterInnen uvm.

Lustig, kommunikativ und zum Nachdenken

Wie in anderen Gesundheitseinrichtungen erreichten uns in der vergangenen Woche und am Health Slam-Tag selbst auch Krankmeldungen. Deshalb dezimiert sich die TeilnehmerInnenzahl von sechs auf vier SlammerInnen. Das hat uns aber nicht abgeschreckt, denn mit drei Feature SlammerInnen ist es eine wunderbare Veranstaltung. Somit treten bei uns Michael, Alex, Luzie und Valentin an und werden durch die Feature Johanna, Sandis und Graciella unterstützt.

Johanna & Sandis

Die Beiden ersten Feature SlammerInnen stellen kurz den Berliner Stammtisch für Pflegende vor und im Anschluss ein kleines szenerisches Spiel. Dabei geht es um die Motivation der Auszubildenden, die auf frustrierte und unzufriedene Pflegefachkräfte treffen. Die beiden tragen dann einen Text vor, der konstruktiv darauf einging, wie diese Situation der Auszubildenden und PraktikanntInnen verbessert werden kann. Auch im Blick auf die Versorgung mit Nachwuchs.

Michael „Hagebuttentee“

Warum darf er zum Frühstück nur zwischen Kaffee und Tee entscheiden, aber keinen Apfelsaft trinken? Weil es den nur zum Abendessen gibt. Die Sicht eines (Pflegefachkraft-)Patienten, der die Krankenhausgesetze nicht versteht und dagegen aufbegehrt. Wie wäre es, wenn man eine ärztliche Aufklärung mit einer Kreditaufklärung vertauschen würde? Stellen Sie sich die BankberaterIn vor, die so aufklärt wie ein Arzt für einen Eingriff. Das führte zu sehr vielen Lachern im Publikum. Auch die allseits bekannte Schmerzskala, die in vielen Einrichtungen angewandt wird, mal in ein Restaurant übertragen… Wie groß ist die Portion auf einer Skala von 0 bis 10? 0 ist ein magersüchtiges Model und 10 Reiner Calmund??? Die Vorstellungskraft könnte da noch viele Blühten treiben.

Alex und sein Tagebuch

Alex erzählt wieder über die Kommunikation mit seinem Tagebuch. Als Unterstützung vertritt Sandis das Tagebuch. Alex berichtet vom Erwachen mit Ständer, was das Tagebuch herzlich wenig interessiert. Es war ein Infusionsständer. Er spricht von gesunder Ernährung, dem Rauchen und der Motivation für gesunde Lebensführung. Wie kann man den Leuten (An-)Reize bieten, an ihrer ungesunden Lebensweise etwas zu ändern. Interessant an der Kommunikation ist, dass das Tagebuch auch Witze erzählen kann und mit Alex eine kurze Witzesession einlegt.

Entscheidung des Publikums

Das Publikum findet den Text von Michael am besten und spendet dafür den lautesten Applaus. Herzlichen Glückwunsch im Finale.

Luzie „Do you want to build a snwoman?“

Luzie ist 16 Jahre alt, kommt von #fff und verbindet gekonnt Klimakritik mit der Gesundheit der Menschen. Sie spricht als ihre Enkelin aus der Zukunft zu uns. Sie wirft uns Versagen vor und somit vergiftete Luft und vergiftete Nahrung. Sie prangert an, dass die Gesellschaft nur die Ränder der Lösung angekratzt hat und gerne wüsste wie Schnee aussieht oder wie wir dazu stehen, dass es so viele Inseln nicht mehr gibt. Die Oma hat´s versaut und der blaue Planet ist nur ein Trugbild. Ein Text der viel Begeisterung weckt und zum Nachdenken anregt.

Valentin

…spricht über das gesprochene Wort und was man damit alles erreichen kann. Die Krone der Schöpfung ist der Mensch und dann kommt er zum Frühdienst und hört „Der Fuss in Zimmer 27 hat gekackt.“ Die Lacher dazu werden immer lauter, als er die Vorstellungskraft des Publikums reizt und meint: „Was muss das für eine Fistel sein?“ Die Zimmerpflege, die Einfachheit der Sprache mit den Anvertrauten oder die Aufklärung, die kaum jemand versteht fließen in den weiteren Text ein.

Entscheidung des Publikums

Das Publikum machte es dem Moderator Mathias nicht leicht und forderte eine zweite Runde Bewertungsapplaus. Nach dem das Publikum ein zweites Mal klatschen durfte, war es eindeutiger und Valentin erreichte das Finale.

Graciella

Graciella kommt, auf dem Roadtrip mit Sandis und Johanna, auch an Göttingen vorbei und unterstützt als Feature Future Slammerin den Abend. Sie hat ihren Text bereits auf dem Walk of Care 2019 gelesen und wünscht sich eine bessere Ausbildung in der Pflege mit passenden Rahmenbedingungen und bekommt für diese lyrische Ansage einen kräftigen Applaus.

Das Finale

Im Finale stehen sich nun Michael und Valentin gegenüber und haben zwei sehr unterschiedliche Texte dabei.

Michael „Sprachlos“

Sprachlos ist er im Finale nicht, aber macht klar wie eine schwere Diagnose (Krebs) die Sprache und das gehörte Wort verändert. Es dreht sich um Krankenhausbesuche die immer wieder gleich ablaufen, die gleichen Gesprächsfetzen beinhalten und vorhersehbar sind. Der gekaufte Obstkuchen der Mutter, den sie noch nie selbst gemacht hat oder die gemauerten Gänge, in denen die Gespräche ablaufen. Diese Mauern möchte er gerne sprengen. Ein nachdenklicher uns melancholischer Text.

Valentin „gepflegtes Herz“

beginnt mit der Beschreibung einer Fortbildung zum Thema Inhalation, bei der der Höhepunkt des gebildeten Arztes die Beschreibung des Parasympathikus ist. Damit es sonst schön einfach bleibt, denn pflegen kann ja jeder. Man braucht nur genug Herz um Kot wegzuräumen. Denn Empathie ist doch die Haupteigenschaft einer Pflegefachkraft. Mit viel Ironie geht er auf das Bild der Pflegenden ein und fragt sich, ob diese nicht auch selbst ein wenig dazu beitragen.

Der Gewinner

Nach einer harten Entscheidung mit Dreisekunden- und Einsekundenapplaus kann sich Michael über eine Flasche Göttinger Ale freuen. Die hat er sich wahrhaftig verdient. Valentin bekommt als zweiter Gewinner eine Extraladung Applaus geschenkt. Wir gratulieren beiden Finalisten, bedanken uns bei allen TeilnehmerInnen, den Feature SlammerInnen, dem Theater im OP, Isi (Kasse) und natürlich dem Publikum. Wir freuen uns auf das nächste Mal!

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Wir unterstützen durch Teilnehmende und UnterstützerInnen auch verschiedene Initiativen vor Ort. Luzie haben wir auf einer #fff-Demo kennengelernt und eingeladen. Der Klimawandel ist real und deshalb unterstützen wir das Engagement von fridays for future Göttingen. Ein nachhaltiges Projekt hat sich von Studierenden der Uni Göttingen gegründet und sammelt Pappe und einseitig bedrucktes Papier, um damit beschreibbare Notizblöcke herzustellen und wieder abzugeben. Wer mehr zu dem Projekt „Papierpilz“ erfahren möchte, darf sich hier informieren. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe Nordwest e.V. unterstützt den Health Slam bei jeder Veranstaltung mit Werbung im Newsletter „Gezielt Informiert“

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